Jian wird in München aufwachsen

Prof. Dr. Çinur Ghaderi und Monique Kaulertz

im Gespräch mit Heinz Michael Vilsmeier

Hinweis: Die Auslieferung von „Jian wird in München aufwachsen“ verzögert sich kurzfristig, da Cover und Buchdaten technisch aktualisiert wurden. Sobald die neue Fassung verfügbar ist, werden die Bestelllinks hier ergänzt.

Two women in business attire stand side by side in a room; bright green overlay text reads 'Jian wird in München aufwachsen' and 'Prof. Dr. Cinur Ghaderi und Monique Kaulertz im Gespräch mit Heinz Michael Vilsmeier'
Frau Prof. Dr. Çinur Ghaderi und Monique Kaulertz

Softcover 14,00 €

„Jian wird in München aufwachsen“ dokumentiert das öffentliche Hearing im Neuen Rathaus München vom 23. Januar 2026 zur Studie „‚Münchner Kurd*innen‘ – (Un-)sichtbare Realitäten zwischen pluralen Zugehörigkeiten und mehrdimensionaler Diskriminierung“. Der Band versammelt zentrale Forschungsergebnisse, anonymisierte Wortmeldungen aus der kurdischen Community sowie ein Gespräch mit Prof. Dr. Çinur Ghaderi und Monique Kaulertz. Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Bedingungen kurdische Kinder in München sichtbar, geschützt und selbstverständlich zugehörig aufwachsen können.

Leseprobe

Doppelte Rassifizierung

Prof. Dr. Çinur Ghaderi: Wenn wir uns diese Ebene ansehen, können wir in Theorie, Praxis und Forschung – das werden wir gleich noch zeigen – für Kurd*innen von einer doppelten, mindestens doppelten Rassifizierung sprechen.

Das heißt zum einen: Diskriminierung aufgrund vermeintlich anderer Herkunft, also irgendeiner Fremd- oder Eigenherkunft. Dabei geht es etwa um antimuslimischen, aber auch um antimigrantischen Rassismus – wenn zum Beispiel Personen sagen: „Ich sehe nicht aus wie ein Deutscher, mein Nachname klingt anders, ich bin Migrant“, und so weiter.

Wenn man die Richtung benennt, von der das mehrheitlich ausgeht, ist damit in der Regel die weiße deutsche Mehrheitsgesellschaft gemeint – wenn man das so formulieren möchte.

Ich bin bei solchen Formulierungen sehr vorsichtig, weil Worte die Realität fast immer auch verzerren. Aber ich hoffe, Sie verstehen, was ich damit meine.

Und dann gibt es genau hier die Rassifizierung, die doppelt ist, weil es einen spezifischen antikurdischen Rassismus gibt, der sich gegen die konkrete ethnische Identität richtet und auf Diskriminierungsmaßnahme als Kurd*innen basiert, also jenseits dessen, was sich aus dem anderen noch ableiten lässt.

Das heißt: Es gibt zwar Gemeinsamkeiten bei bestimmten Stereotypen wie Bildungsferne oder Gewaltaffinität, aber auch deutliche Unterschiede – etwa darin, von wem dieser antikurdische Rassismus ausgeht, wie die historischen Kontextbedingungen aussehen und in welchen Kontexten er stattfindet.

Wenn wir also fragen, von wem diese Diskriminierung ausgeht, dann ist zu sagen: Sie geht zum einen aufgrund des Kurdischseins von Minderheiten mit Migrationsgeschichte aus, die in Deutschland selbst migrantisiert sind, in den Herkunftsstaaten aber zur dominanten Mehrheitsgesellschaft gehören oder gehörten. Und sie geht von ultranationalistischen und extremistischen Akteuren aus, die individuell oder als Gruppen sichtbar werden.

Weitere Sprachversionen von „Jian wird in München aufwachsen“

  • English Version (in preparation)
  • Version française (en préparation)
  • Edición española (en preparación)
  • Türkçe sürüm (hazırlık aşamasında)