Bonobo

Mann ohne Kindheit – Vom Opfer zum Täter

E‑Book: 9,49 € · Softcover: 17,77 € · Hardcover: 35,50 €

„Mann ohne Kindheit – Vom Opfer zum Täter“ versammelt Gespräche mit „Bonobo“, einem pädophilen Straftäter, der fast zwei Jahrzehnte im Maßregelvollzug untergebracht war und als Informant Einblicke in eine abgeschottete Parallelwelt gab: kommerziell organisiertem Kindesmissbrauch in Europa, dem Handel mit Kindern, der Produktion und Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen sowie der Prostitution von Kindern – Vorgänge, die nach seiner Schilderung auch in Deutschland stattfinden und sich durch alle gesellschaftlichen Milieus ziehen.

Der Text zeigt dabei nicht nur Täterlogiken, sondern auch, wie gesellschaftliche Ächtung und Strafandrohung die Erpressbarkeit von Tätern erhöhen – und wie diese Erpressbarkeit nach „Bonobos“ Darstellung von Drahtziehern genutzt wird, um Einfluss auf Politik, Verwaltung, Justiz und Wirtschaft zu nehmen. Geführt wurden die Interviews im Besucherraum einer forensischen Einrichtung, anfangs vergleichsweise locker mit Kamera, später unter immer restriktiveren Bedingungen bis hin zu einer Trennscheibe; schließlich wurden die Gespräche abgebrochen, als Konflikte zwischen Informant und Institution eskalierten und „Bonobo“ ohne Ankündigung verlegt wurde. Über allem stand die Tatsache, dass eine mafiös organisierte Struktur den Informanten selbst im Maßregelvollzug weiter kontrollierte und Grenzen setzte.

Warnung: Das Interview enthält belastende Inhalte zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder.

Leseprobe

Der folgende Auszug stammt aus dem vollständigen Interview, das in der Publikation erschienen ist.

HMV: Was haben Sie beobachtet?

Bonobo: Bis zum Mord alles! – Alles komplett inklusive Mord!

HMV: Wollen Sie darüber sprechen?

Bonobo: [Schweigen] … Können wir tun – ja! … [Schweigen]

HMV: Wenn es Ihnen zu viel wird, sagen Sie es bitte. Bonobo: Ich bin noch am überlegen, wo ich jetzt anfangen soll. – Also heute weiß ich das ja, dass sogenannte Snuff-Filme gemacht wurden. Was ich selbst gesehen habe und selbst mitgekriegt habe, war [geschwärzt: grafische Beschreibung eines sexuellen Übergriffs und des Todes eines Kindes]. Da war ich neun, etwa. Die meisten Kinder sind halt einfach nicht mehr gekommen. Das hab ich dann später mitgekriegt, dass die – verschwunden sind, umgebracht wurden. Das Allerschlimmste war Miriam. … Ja, jetzt greife ich mal einfach vor. Das war der 23.12.1980, zwei Tage nach meinem Geburtstag. Die Miriam sollte mit einem Kunden ins Bett gehen, wo man wusste, dass es ein ganz brutales Arschloch ist. Ich wollte das nicht, ich hab mich dagegen aufgelehnt und alles Mögliche versucht. Ich hab gebissen, geschrien, hab gekrischen, getreten, gespuckt. Aber all das hat nichts geholfen, die musste da hin. … Ich hab gesagt: ‚Wenn die Miriam jetzt zu dem Mann hingehen muss, dann sag ich alles meiner Mutter.‘ Daraufhin hab ich erst mal eine Ohrfeige gekriegt. Dann wurde ich geschnappt, ich hatte damals lange Haare als Kind. Ich wurde an den Haaren gepackt, wurde hinterher geschleift, die Miriam auch. Ich wurde festgehalten, gezwungen, dass ich zugucke. …

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