Florian Kirner

alias Prinz Chaos II

Seid so anders, wie es irgendwie geht!

E‑Book: 4,49 € · Softcover: 18,99 €

Vom 31.5.2012 bis zum 3.6.2012 wurde die kleine Burg Weitersroda bei Hildburghausen zum Treffpunkt für Liedermacherinnen und Liedermacher: Auf dem Gelände fand das Paradiesvogelfest statt, das heute als feste kulturelle Institution im südlichen Thüringen gilt. Doch in den Tagen und Wochen zuvor war das Festival wiederholt Ziel rechter Angriffe. Zwischen 2008 und 2012 versuchten ortsansässige Nazis, die Veranstaltung zu verhindern – nicht nur mit Hetze in sozialen Medien, sondern auch mit direkter Gewalt: Im Burghof wurde das Auto eines teilnehmenden Musikers angezündet. Nach dem Solidaritätsaufruf des Liedermachers Konstantin Wecker machte sich Heinz Michael Vilsmeier nach Weitersroda auf – und sprach am Rande des Festivals mit dem Veranstalter Florian Kirner, alias Prinz Chaos II, über die Angriffe, die Stimmung vor Ort und die Frage, was es heißt, Kultur gegen Einschüchterung zu verteidigen.

Leseprobe

Der folgende Auszug stammt aus dem vollständigen Interview, das in der Publikation erschienen ist.

Prinz Chaos II: Wir befinden uns inmitten eines epischen Konflikts. Dies ist eine Art Kulturkampf, der hier entstanden ist. In dessen Zentrum tatsächlich – und albernerweise – die Frage meiner sexuellen Orientierung steht, bzw. dahin gerückt wird. – Wir haben es mit einem virulenten und militanten Schwulenhass zu tun. – Dass vermischt sich mit Dorfkonflikten und Dorfthemen aus den letzten viereinhalb Jahren, die wahrscheinlich niemandem erspart bleiben, der versucht ein Schloss unter eigener Regie weiterzuentwickeln, das jahrzehntelang zu DDR-Zeiten genutzt wurde und in der Nachwendezeit 20 Jahre lang relativ brach dalag. – Es ist eine sehr gefährliche Situation und es ist ein bisschen so wie bei Biedermann und den Brandstiftern, dass eben nach einem Brandanschlag auf einen Pkw im Schlosshof und nach Überfall und faktischen Morddrohungen jetzt wir an den Pranger gestellt werden, weil wir angeblich behaupten, dass ganze Dorf bestehe aus Nazis. – Das tun wir natürlich nicht! – Aber sich hinzustellen und zu sagen, es gibt keine Nazis hier in diesem Dorf, das ist einfach eine unerträgliche Blindheit von Leuten, die es offensichtlich auch gar nicht sehen wollen. Denen muss man die Frage stellen, inwiefern sie Aktionen, die gegen die Bewohner dieses Schlosses gerichtet sind, mit unterstützen.

HMV: Auf der Website des Dorfes, weitersroda.de, wird getitelt: „Weitersroda beherrscht vom Chaos …“. Dort kann man lesen, dass sich das Dorf ungerechtfertigterweise in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt sieht und das dies auf Querelen mit Prinz Chaos zurückzuführen sei. Dort wird auch gegen den Bürgermeister von Hildburghausen Front gemacht, der, angeblich ungerechtfertigterweise, weitersrodaer Jugendliche einer rechtsextremen Gesinnung bezichtige. – Was kannst Du dazu sagen?

Prinz Chaos II: Das von Dir angesprochene Dokument ist nicht ein Statement des Dorfes, sondern des Ortsteilrates, der sich in für mich skandalöser und niederträchtiger Weise hier positioniert. – Eine rechte Struktur gibt es in diesem Dorf, das ist aus meiner Sicht eine Tatsache. Und die große Mehrheit der Bewohner sollte mal die Augen aufmachen und hinschauen, was eben in einigen Bereichen und eben leider nicht nur bei der Jugend tatsächlich Phase ist.

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