Jutta Schubert

Augenzeugin der Augenzeugen

Augenzeugin der Augenzeugen Heinz Michael Vilsmeier im Gespräch mit Jutta Schubert

Softcover 23,00 €

Dieses Buch vereint zwei Gespräche mit der Regisseurin, Theaterautorin und Schriftstellerin Jutta Schubert – zwei Begegnungen, die mehr als ein Jahrzehnt auseinanderliegen und doch eng miteinander verwoben sind. Das erste Interview entstand 2013 anlässlich ihres Romans Zu blau der Himmel im Februar, in dem sie die letzten Tage der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ und das Schicksal Alexander Schmorells eindringlich nachzeichnet.

Zwölf Jahre später, im Juni 2025, wurde das Gespräch in ihrem Haus in Wiesbaden fortgeführt – intensiver, persönlicher und thematisch weiter ausgreifend. Über zwei Tage hinweg entwickelte sich ein Dialog, der nicht nur an frühere Fragen anknüpft, sondern neue Räume öffnet: über das Schreiben, das Theater, die Verantwortung von Kunst und über jene verborgenen Facetten der Weißen Rose, die selbst Kennerinnen und Kenner überraschen dürften.

Wer sich fragt, welche Kraft Literatur heute noch entfalten kann und welche Spuren sie in einer zunehmend unübersichtlichen Welt hinterlässt, findet in diesen beiden Interviews mögliche Antworten.

Leseprobe

Der folgende Auszug stammt aus dem vollständigen Interview, das in der Publikation erschienen ist.

Alexander Schmorell wurde heiliggesprochen

Jutta Schubert: … Die Auffassungen waren ja auch zwischen den Mitgliedern der Weißen Rose unterschiedlich gelagert. Also Professor Huber hat sich wohl wirklich ein parlamentarisches System, eine Demokratie, wie wir sie heute haben, für die Zukunft vorgestellt.  – Die anderen waren vielfältig gar nicht so weit. Willi Graf aus Saarbrücken hat hauptsächlich aus seinem Glauben heraus, seinem katholischen Glauben, gehandelt und ist der Gruppe beigetreten. Und auch aus Gründen der Kunst. – Er hat im Bach-Chor gesungen, und er hat verbotene Bücher gelesen! Die waren nicht so weit, das System einer parlamentarischen Demokratie im Hinterkopf zu haben – überhaupt gar nicht! Das will die Stiftung alles nicht wissen. Aber es ist ja vielfach so, dass man an Grenzen stößt. Zum Beispiel, ich weiß nicht, ob Du das weißt: Es ist ja so, dass Alexander Schmorell von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Das war wirklich ein Hammer. Eine kurze Zeit nach dem Erscheinen meines Buches hat die Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland – so nennt sie sich, also nicht in Russland, sondern im außerrussischen Ausland, die haben überall ihre Stationen, unter anderem eine große Gemeinde in München – diese Münchener Gemeinde hat Alexander Schmorell heiliggesprochen. Er ist der Erste Heilige Alexander von München, diesen Namen hat er. Sein Todestag, der 13. Juli wird als Heiligentag begangen. Es gibt eine Ikone, ich habe eine Postkarte davon. Interessanterweise stand diese Ikonenpostkarte auch bei Lilo Ramdohr und bei Nikolay Hamazaspian auf dem Schrank. Dort habe ich diese Ikone zum ersten Mal gesehen. Die hatten aber auch nur Postkarten davon. Ich habe auch so eine Postkarte, die hängt in meinem Arbeitszimmer.

Zur Website der Autorin

Die Theaterregisseurin und Autorin Jutta Schubert ist mit dem Autor Peter H. E. Gogolin verheiratet.