Lühr Henken

Friedensfähig statt kriegstüchtig!

Softcover 10,00 €

Dieses Interview mit dem Friedensforscher und langjährigen Aktivisten Lühr Henken entstand in München, unmittelbar vor einer Veranstaltung des Münchner Friedensbündnisses, bei der er einen Vortrag hielt. Mit großer Sachkenntnis und analytischer Schärfe erläutert Henken die sicherheitspolitischen Folgen der von Bundeskanzler Olaf Scholz und dem US‑Präsidenten vereinbarten Stationierung neuer US‑Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen die strategischen Risiken, die mit der geplanten Präsenz von SM‑6‑, Tomahawk‑ und Dark‑Eagle‑Raketen verbunden sind, sowie die Frage, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf die Stabilität Europas und auf die Rolle Deutschlands im globalen Konfliktgeschehen haben könnte.

Der in diesem Band ebenfalls enthaltene Vortrag Henkens – mit seiner freundlichen Genehmigung wiedergegeben – vertieft diese Überlegungen und zeigt, warum er die aktuelle Aufrüstungspolitik für gefährlich und kurzsichtig hält. Das Interview bildet dazu den analytischen Auftakt und macht deutlich, weshalb Henken seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Stimmen der deutschen Friedensbewegung gehört.

Leseprobe

Der folgende Auszug stammt aus dem vollständigen Interview, das in der Publikation erschienen ist.

HMV: Es gibt militärtechnisch durchaus schon Bemühungen, von Erfolg gekrönte, die die Fähigkeit zum Vergeltungsschlag verhindern sollen. Dann würde ja der Atomkrieg führbar werden, das ist sicherlich das Ziel, das verfolgt wird.

Lühr Henken: Ja. Ich meine, man weiß ja nicht, wie viele Raketen hier nach Deutschland kommen sollen. Es gibt ja in dieser Vereinbarung von Olaf Scholz und Joe Biden keine Zahlenangaben. Ob das eine Batterie ist oder ob es 10 Batterien oder ob es 20 Batterien sind, das steht da nicht. Also über die Jahre hinweg können aus 8 Raketen 80 oder noch mehr werden und dann ist das erreicht, dass man in Russland sämtliche Silos und sämtliche Lkws treffen kann. Man fängt, wie bei der Salamitaktik, irgendwo an und nachher hat man die ganze Wurst.

HMV: Naja. Wenn man das Friedensgebot, das sich aus dem Grundgesetz ergibt, ernst nimmt, das ja die Vorbereitung eines Angriffskrieges unter Strafe stellt, dann wäre das unter Umständen eine Entscheidung, die der Bundeskanzler Scholz getroffen hat, die als grundgesetzwidrig zu beurteilen wäre. Oder wie siehst du das? 

Lühr Henken: Ja, seine Begründung ist ja die, dass man damit versucht, die Spannungen zu senken. Gesagt wurde, das steht auch da drin, dass man damit Russland abschrecken will. Aber wir haben ja, glaube ich, deutlich dargestellt, dass das mit Abschreckung gar nichts zu tun hat, sondern dass wir es bei diesen Raketen mit Angriffswaffen zu tun haben, die auch die Erstschlag- und Enthauptungsschlagfähigkeit beinhalten – oder ein Wesensmerkmal dessen sind.

HMV: Darüber hinausgehend auch noch den Vergeltungsschlag …

Lühr Henken: … unterminieren kann, ausschalten kann. Das heißt also, das hat diese Angriffsoption, jedenfalls muss die andere Seite das als solche auffassen – und sie fasst es auch so auf. Das heißt also, von der westlichen Seite aus besteht eine Angriffsoption und dieser Artikel 80 des Strafgesetzbuches sagt ja, dass ein Angriffskrieg verboten ist. Wenn Angriffe verboten sind, wenn sie in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören. Es muss also die Absicht nachweisbar sein, dann ist es erst straffällig. So, und diese Absicht liegt also relativ nahe, weil so hat das irgendwie eine Bedeutung oder einen Wert. Von daher könnte man denken, dass es sich um ein gesetzeswidriges Vorgehen der Regierung hierzulande handelt.