Linn Stalsberg
Der Mut, nicht zu töten
Ein Interview mit Linn Stalsberg von Heinz Michael Vilsmeier
ISBN 9783565494217

Softcover 14,00 €
Der Titel dieses Interviewbandes wendet sich gegen die Verachtung, mit der Militaristen Pazifistinnen und Pazifisten häufig begegnen, und gegen den Vorwurf, sie seien feige. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wer den Militärdienst verweigert oder an pazifistischen Überzeugungen festhält, beweist Mut. Gerade diese Einsicht tritt im Interview mit Linn Stalsberg besonders deutlich hervor.
In diesem breit angelegten, reflektierten Interview hinterfragt die norwegische Soziologin, Journalistin und Friedensaktivistin Linn Stalsberg zentrale Annahmen, die unser Denken über Krieg und Sicherheit prägen. Ausgehend von Geschichte, politischer Theorie und persönlicher Erfahrung zeigt sie, wie Militarismus in heutigen Gesellschaften zum vermeintlichen „gesunden Menschenverstand“ werden konnte – und warum genau diese Selbstverständlichkeit auf den Prüfstand gehört.
Im Gespräch rückt Stalsberg verdrängte Traditionen des Friedensdenkens wieder ins Blickfeld: Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus, gewaltfreien Widerstand und Antimilitarismus. Sie beschreibt sie nicht als naive Ideale, sondern als intellektuell fundierte und politisch ernst zu nehmende Alternativen. Zugleich analysiert sie den Druck eines politischen Klimas, in dem Forderungen nach Diplomatie und Zurückhaltung oft beiseitegeschoben werden, während die Logik der Wiederaufrüstung die öffentliche Debatte zunehmend bestimmt.
Das Gespräch verbindet persönliche Einsichten mit präziser politischer Analyse – von der NATO und dem Krieg in der Ukraine über globale Konflikte bis zur schwindenden Bedeutung der Diplomatie. Es lädt dazu ein, neu darüber nachzudenken, was Friedensarbeit in einer Zeit eskalierender Gewalt bedeutet. Im Zentrum steht eine zugespitzte These: Die Weigerung zu töten kann zu den größten Mutproben gehören, zu denen ein Mensch fähig ist.
Leseprobe
Linn Stalsberg: Ich habe kürzlich noch einmal den Essay Necropolitics von Achille Mbembe gelesen. Er stammt aus dem Jahr 2003, geschrieben im selben Jahr wie der US-Krieg gegen den Irak.
Als ich Mbembe las, dachte ich: Ja, das beschreibt etwas Wichtiges an der Welt, in der wir heute leben.
Necropolitics hilft zu erklären, wie politische, militärische und ökonomische Macht darüber bestimmen kann, wessen Leben als wertvoll gilt und wessen nicht. Die Vorstellung, dass jedes menschliche Leben den gleichen Eigenwert besitzt, scheint in der Weltpolitik immer stärker zu verschwinden. Es ist, als hätten wir einen Punkt erreicht, an dem manche Menschen als berechtigter gelten, Leben, Sicherheit und Schutz zu beanspruchen als andere.
Die Palästinenserinnen und Palästinenser sind ein offensichtliches Beispiel. Ihr Leiden ist kein Zufall. Wenn palästinensisches Leben denselben Wert hätte wie unser eigenes, ist schwer vorstellbar, dass die Zerstörung und das Töten, die wir erlebt haben, mit so wenig wirksamem Eingreifen der mächtigsten Staaten der Welt hätten weitergehen können. Ich spreche nicht von gewöhnlichen Menschen. Ich spreche von politischen Führungen und Institutionen, die die Macht besitzen zu handeln.
Weitere Sprachversionen des Linn Stalberg – Interviews:
- English Version
- Version française (en préparation)
- Edición española (en preparación)
- Türkçe sürüm (hazırlanıyor)



